14. September – Tag der Ruhe

Der heutige 14. September steht im Vereinigten Königreich ganz im Zeichen der Stille. Es ist National Quiet Day (dt.: Tag der Ruhe oder auch: Tag der Stille).
Dieser hat einen interessanten Ursprung. Es ist nicht, wie man vermuten könnte, eine Initiative von einer meditativ-spirituellen Richtung. Vielmehr geht dieser Ruhe-Tag auf das britische Marketing-Team des Herstellers Whirlpool zurück, das 2016 im Zuge der Markteinführung seiner sogenannten ZenTechnology, einem sehr leisen Antriebssystem für Waschmaschinen, diesen Ehrentag der Ruhe ins Leben gerufen hat.

Parallel dazu publizierte man in Kooperation mit dem Department of Experimental Psychology der University of Cambridge eine Studie zur Lärmbelästigung in elf Staaten der Welt. Die alltägliche Lärmbelastung ist erwiesenermaßen eine häufige Ursache von Stress und Erkrankungen. So ergab eine Umfrage unter 2000 erwachsenen BritInnen, dass 43 Prozent der Befragten der Überzeugung sind, dass Ruhe bzw. Stille im modernen Alltagsleben nahezu unmöglich sei.

Am National Quiet Day ist die Öffentlichkeit dazu aufgerufen und eingeladen, sich einen ruhigen Moment der Stille zu gönnen. Eine gute Idee!

Die stillen Göttinnen

Und natürlich gibt es auch Göttinnen der Ruhe und der Stille, die uns vielleicht dabei begleiten könnten:

So ist Angerona die römische Göttin der Stille und Verschwiegenheit.
Ihr Fest, die Angeronalien oder Divalien, war der 21. Dezember, also die Wintersonnenwende.
Der Name der Angerona geht vermutlich auf „angerendo“ (= herausführen) zurück, was darauf hinweist, dass sie nach dem kürzesten Tag die Sonne wieder herausführt. Damit dies gelingt, fordert die schweigende Göttin zur Stille auf.
Durch diese Konzentration auf die mystische Kraft der absoluten Ruhe soll die Sonne „gerettet“ werden. Ihre Kraft nimmt ja vom Tag der Wintersonnenwende mit jeden Tag wieder zu.

Die gnostische Göttin Sige ist eine jener Ursprungsgöttinnen, die das Chaos am Anfang aller Dinge bzw. die völlige Nicht-Existenz des Universums verkörpert. Sie ist das Schweigen, aus der die gesamte Schöpfung hervorgegangen ist.
Sie lehrt uns, dass unsere Wurzeln in der stillen Leere des Universums liegen, und dass es wichtig für uns ist, uns regelmäßig mit der Stille zu verbinden.
Ich mag ja diese Chaos-Ursprungs-Göttinnen. Besonders dann, wenn es um mich herum gerade „Chaos“ gibt – in meinen Wohnräumen, in meinen Gedanken, in meinen Beziehungen. Denn das ist der Ursprung von kreativem Handeln.

Ich halte es da mit Friedrich Nietzsche, der dem Chaos sein hymnisches Lob sang:
„Ich sage euch: Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können.“
Und die Stille der Sige beherrscht nach wie vor das gesamte Universum, nur rund um dieses winzigen Staubkorns Erde ist es nicht still.
Doch sie ist immer da, wenn wir uns mit ihr verbinden wollen, auch in der größten lärmenden Hektik. Sie unterstützt alle inneren Kräfte. Sie ist die Stille, aus denen unserer Macht kommt und aus der unsere Inspiration geboren wird.
Gerade für Frauen ist Sige eine wichtige Beraterin und Wegbegleiterin.

Und dann gibt es noch diese wunderbaren Göttinnen der Trägheit und des Müßiggangs, wie z.B. die griechische Aergia und die lettische Gausu Māte.
Sie erinnern daran, Ruhepausen einzulegen und dabei ganz still zu werden – ein gemütliches Stündchen am Sofa zwischendurch oder ein erfrischendes Mittagsschläfchen. Gausu Māte erlaubt, ja befiehlt sogar den Menschen, auch einmal „alle Viere grade sein zu lassen“.

Immer, wenn etwas nicht so flott von der Hand geht, die Umstände es bedingen, eine Pause einzulegen, man vor lauter Schusseln gar nichts mehr zu Wege bringt, dann kann es sein, dass gerade eine dieser beiden Göttinnen anklopft – Beine hochlegen, durchatmen, dehnen und strecken, gähnen, die Tür hinter sich zumachen, in die Stille gehen, ein Nickerchen einlegen. Und das nicht nur heute. Aber heute könnten wir damit anfangen.

In diesem Sinne: Euch allen einen ruhigen und entspannten National Quiet Day.

Egal, ob in Großbritannien oder sonst wo auf der Welt. 🙂

Mehr Infos zu den erwähnten Göttinnen:
Aergia 
Angerona
Gausu Māte
Sige 

 

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