Der Wonnemonat endet mit einem Blauen Mond

Das kommt nur alle paar Jahre vor und am kommenden Sonntag ist es wieder soweit: Innerhalb eines Kalendermonats zwei Vollmonde.
„Once in a blue moon“ – diese Redensart bezeichnet im englischen Sprachraum ein spo­ra­disch auftretendes, sehr seltenes Ereignis. So wie eben ein zweiter Vollmond innerhalb eines Monats.
Und das ist jetzt, am Ende des Wonnemonats Mai wieder der Fall:
Am Sonntag, den 31. Mai 2026 exakt um 10:45 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit haben wir so einen.
Der letzte war am 31. August 2023, der nächste kommt 31. Dezember 2028.

Lügt der Mond?

Auch wenn der Name es vermuten lassen könnte: Nein, la Luna leuchtet dann nicht blau. Dieser Spitznamen geht zum einen auf das englischen Sprichwort „Once in a blue moon“ zurück. Im Deutschen bedeutet das so viel wie „alle Jubeljahre“ oder „alle heiligen Zeiten“, ist also ein Ausdruck für besondere Seltenheit.

Es gibt aber auch noch eine andere Herkunftserklärung zum Begrif „Blue moon“.
Dieser stammt vermutlich vom altenglischen „belewe moon“, sprich bil’ju: mu:n, was so viel wie „belügender Mond“ bedeutet (beachte den gleichen Wortstamm von „belewe“ und „belügen“). Denn dieser Vollmond suggeriert die nächste Jahreszeit, wo diese doch noch gar nicht beginnt. Normalerweise finden in einer Jahreszeit drei Vollmonde statt. Der vierte liegt dann schon in der nächsten Jahreszeit, nicht aber, wenn es zu einem Blue Moon kommt. Dieser Vollmond ist also noch ein Frühlingsvollmond, gibt sich aber den Anschein, als wäre er schon ein Sommervollmond.

Noch eine Besonderheit dieses 2. Maienvollmonds: Es handelt es sich dieses Mal um einen Mini- oder Mikrovollmond. Auf seiner Umlaufbahn liegen zwischen den Mittelpunkten von Mond und Erde durchschnittlich 384.400 km. Jedoch ist die Umlaufbahn des Mondes leicht elliptisch, weswegen er manchmal näher an uns rückt, bevor er sich wieder weiter entfernt.
Von einem Minimond ist dann die Rede, wenn er mehr als 405.000 km vom Erdmittelpunkt entfernt ist. Genau das passiert am 31. Mai 2026. Einen Tag später wird nämlich das Apogäum erreicht. An diesem erdfernsten Punkt liegen zwischen den Mittelpunkten beider Himmelskörper 406.366 km.

Mit astronomischen Instrumenten kann man einen Größenunterschied von bis zu sieben Prozent und einen Helligkeitseinbruch von etwa 15 Prozent im Gegensatz zum durchschnittlichen Erd-Mond-Abstand messen. Mit dem bloßen Auge können wir diese Unterschiede jedoch nicht zu erkennen. Der nächste Minivollmond ereignet sich bereits in einem Monat, am 30. Juni. Supermonde werden wir erst wieder Ende des Jahres erleben, im November und Dezember – am frühen Morgen des Heiligabends.

Die lunaren Zyklen

Dieser „Blaue Mond“ ist Ausdruck starker Frauenkraft.
Warum das so ist, dazu ein kleines Rechenexempel:

Matriarchale Kulturen kannten einen großen Zyklus, der 13 Vollmonde umfasst. Patriarchale Einflüsse konnten diese sehr weibliche Einteilung, die sich nicht nur an den Mondphasen sondern auch am Menstruationszyklus der Frauen orien­tier­te, nicht mehr als Zeiteinteilung gelten lassen.

Und so wurde aus dem lunaren der solare Kalender, der die willkürliche Einteilung in 12 Monate vorsieht. Die einzelnen Monate mit ungleich vielen Tagen – 28, 29, 30, 31.

Allerdings gäbe es eine viel einfachere Unterteilung dieser 365 Tage. Teilen wir diese durch 28, so kommen wir im Jahr auf 13 Monate, was viel eher einem natürlichen Rhythmus – zumindest jenen der Frauen – entspräche.
Der Julianische Kalender nach Julius Cäsar legte diese zwölf Abschnitte fest, bei denen der Mond keine Rolle mehr spielt – lediglich die Ähnlichkeit der Worte „Mond“ und „Monat“ erin­nert an seine frühere (matriarchale) Bedeutung für den Kalender.

Die alten Monatsnamen

Besonders in agrarischen Kulturen sind die Mondphasen für die Zeiten der Saat, Ernte und für andere Feldarbeiten sehr wichtig. Daher werden in agrarischen Kalendern die „Monate“ immer nach Monden bezeichnet, wie Lenzmond, Wonnemond, Erntemond, Frostmond u.s.f.

Allerdings reibt sich der natürliche Zyklus der Vollmonde immer wieder mit der willkürlich-patriarchalen Jahreseinteilung in 12 Monate.
Damit kommen auch die Mondbezeichnungen durcheinander.

So kämpfte auch der „Maine Farmers‘ Almanac“ – ein bäuerlicher Kalender, der im Nordosten der USA her­aus­kam – mit der Diskrepanz von Monden und Monaten: Mitunter rutsche der „Erntemond“ schon vor die Erntezeit oder der „Mond nach Weihnachten“, leuchtet schon vor dem 24. Dezember.

Denn das Problem mit den 12 patriarchalen Monaten war nun, dass es eben immer wieder 13 Vollmonde innerhalb von 365 Tagen gibt. So entschlossen man sich bei „Maine Farmers‘ Almanac“, nötigenfalls einen weiteren Mondnamen einzusetzen – dieser wurde dann „Blue Moon“ bezeichnet.

Da der Menstruationsrhythmus der Frauen dem des Mondrhyth­mus gleicht, ist der „Blaue Mond“ deutliches Zeichen der ur­sprüng­li­chen weiblichen Kräfte, die sich durch nichts und schon gar nicht durch eine pat­riarchale Kalen­der­einteilung korrumpieren lassen.

Vom Blauen Mond wird daher gesagt, dass er besonders „zauberkräftig“ sei und vor allem Frauen bei „magischen An­liegen“ und in ihrer Urkraft unter­stützt.

Der 13. silberne Teller

Sehr deutlich ist dieser Übergang von der lunar bestimmten Welt auf jene der solar-patriarchalen im Märchen Dornröschen beschrieben:

Zur Taufe der Prinzessin konnten nur 12 der 13 Weisen Frauen eingeladen werden, weil der König nur 12 golde­ne Teller zur Verfügung stellen konnte oder wollte.

Die 13. Weise Frau (das Wort „Fee“ kommt im übrigen im Text des Märchens nirgends vor) hätte aus einem silbernen Teller essen müssen. Und das wollte der König ihr (und vor allem wahrschein­lich sich selbst) nicht antun.

Die goldenen Teller sind Hinweis auf die 12 Sonnenmo­na­te, der 13. silberne Teller steht für die Mondmacht. Und diese wollte der patriarchale König in seinem Reich nicht haben.
Die 13. Weise Frau wurde also nicht eingeladen, der weitere Verlauf der Geschichte ist bekannt.

Es ist anzunehmen, dass diese dem Mädchen nicht den physischen Tod wünschte, son­dern den Übergang vom Kind in das Frau-Sein, wenn der dafür richtige Zeitpunkt ge­kommen ist. Das Kind „stirbt“ und wird als Frau wieder­geboren – dann, wann ihr erstes „Mondblut“ fließt.
Die Mond-Kraft kann auch kein König dieser Welt aufhalten.

Das heranwachsende Mädchen interessiert sich für das Spinnen, das immer ein Sym­bol für die zyklischen Bewegungen und Kräfte ist, für das Rad des Lebens, das Rad des Jahres, für den Menstruations­zyklus mit seinem Werden und Sterben:
Der Stich an der Spindel ist eine Allegorie dafür, dass das Mädchen zu bluten beginnt, die junge Frau bekommt nun ihre „Mondzeit“.

 

)o(

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Mehr Infos zu den Mondgöttinnen, die auf den Bildern zu sehen sind:
Anumati
Chia
Mama Quilla

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