1981 wurde von der UNO der Weltfriedenstag ins Leben gerufen. 2001 verabschiedete die UN-Generalversammlung einstimmig eine Resolution nach der der Weltfriedenstag ab 2002 jedes Jahr weltweit am gleichen Tag, dem 21. September, gefeiert wird.
Damit soll ein Zeichen gegen Krieg und Verfolgung auf der ganzen Welt gesetzt werden. Er soll ein Tag des Waffenstillstands und der Gewaltlosigkeit sein.
Leider herrschte seither an keinem dieser Weltfriedenstage ein weltweiter Waffenstillstand.
Wieviele Kriege / kriegerische Auseinandersetzungen gibt es aktuell auf der Welt?
Die Liste der ununterbrochen seit ihrem Beginn bis heute andauernden Kriege und bewaffneten Konflikte ist erschreckend.
Und da sind nur die wirklich großen Auseinandersetzungen erfasst. Wieviele Krieg gibt es „im Kleinen“, innerhalb von Familien, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, wie viele Menschen stehen auf Kriegsfuß mit sich selbst?
Hat also der Weltfriedenstag irgend etwas gebracht?
Es scheint sich offenbar durch die gesamte Menschheitsgeschichte zu ziehen, dass es genügend Menschen / politische Machthabende / Nutznießende von ökonomischen Interessen gibt, die an Kriegen großes Interesse haben.
Und dennoch ist Frieden das, was sich die allermeisten Menschen von ganzem Herzen wünschen.
Seit jeher schon!
Friedensgöttinnen rund um den Erdball sind der Ausdruck dieser Sehnsucht.
Die Göttinnen des Friedens
Allen voran hat das universelle Friedenssymbol – die weiße Taube – eine Göttin als mythologischen Hintergrund: Vorbiblisch war die Taube das Friedenssymbol der Göttin Har, deren Priesterinnen, die Harines, fälschlicherweise auch als „Tempeldirnen“ bezeichnet werden. Geschlechtliche Liebe in den kulturellen Stätten von Göttinnen war ein tiefkultureller Grundbestand. Denn wo mit Freude geliebt und Sinnlichkeit genossen wird, kann – zumindest in diesem Moment – nicht gekämpft werden. Die Priesterinnen waren daher mit ihrer Gabe durch und durch friedensstiftend. In periodischen Abständen wurden in den Tempeln große Friedensfeste veranstaltet.
Die weißen Taube wurde in Folge zum heiligen Tier einer Reihe anderer großer Göttinnen: Ischtar, Astarte, Anahita, Eurynome und später auch von Aphrodite und Venus.
Bis schließlich die uralte Göttin Sophia, die alttestamentarische Göttin der Weisheit, die von JüdInnen und gnostischen ChristInnen als allumfassender Geist, als Schöpferin allen Lebens verehrt wird, zur weißen Taube wurde. Bevor sie – weil eine Taube immer noch zu sehr weiblich anmutete – von den christlichen Kirchenväter in den vermännlichten „Sanctus Spiritus“, den Heiligen Geist umgewandelt wurde.
Für den Pariser Weltfriedenskongress 1949 wurde von Pablo Picasso das mittlerweile allseits bekannte Logo der Friedenstaube entworfen und lithographiert. 1955 erhielt er dafür den Weltfriedenspreis. Seine Tochter wurde am ersten Abend des Kongresses geboren, er nannte sie Paloma (spanisch für Taube).
Für den Frieden zuständig waren u.a. auch folgende Göttinnen:
Natürlich die römische Pax – die vergöttlichte Personifikation des Friedens. Sie erfreute sich durch die Friedenssehnsucht nach langem Bürgerkrieg großer Beliebtheit. Augustus weihte im Jahre 9 v.u.Z. an ihrem Feiertag, dem 30. Januar die berühmte Ara Pacis, den „Altar des Friedens“ auf dem Marsfeld in Rom. Sie gilt als die Mutter aller großen und kleinen Friedensverträge. Im antiken Rom wurde als Friedensbegriff die lateinische Bezeichnung „pax“ verwendet (aus „pangere“ einen Vertrag schließen),
Sozusagen die Vorgängerin der römischen Pax ist die griechische Friedensgöttin Eirene, die es nicht leicht hatte, galt doch in den Beziehungen zwischen den griechischen Stämmen der Krieg als Normalzustand. Sie machte deutlich, dass Reichtum, Wohlstand und Überfluss nur in Friedenszeiten möglich sind. Dennoch war ein statischer Zustand von Ordnung, Wohlstand und Ruhe, wie es Eirene vorsieht, eine Ausnahmeerscheinung. Daher wurden Friedenszeiten meist mit Begriffen bezeichnet, die eher Bedeutung von „Waffenstillstand“ hatten. Erst gegen Ende des Peloponnesischen Krieges wurde der Begriff „Eirene“ und damit auch die damit verbundene Göttin zunehmend im heutigen Sinne des Worts „Friede“ verwendet. Auch Friedensverträge wurde jetzt als „Eirene“ bezeichnet. Beides ist ein Hinweis darauf, dass sich nach Jahrzehnten des Krieges die Einsicht durchsetzte, dass der Friede der anstrebenswerte Normalzustand sei.
In der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v.u.Z. kam die Idee des Allgemeinen Friedens auf, die eine dauerhafte Friedensordnung auf der Basis von Autonomie und Gleichberechtigung der griechischen Staaten vertraglich begründen sollte.
Die hethitische Arinna gibt Sicherheit, bringt Frieden und schützt vor Krieg und Katastrophen. Sie ist eine warme, freundliche und sonnige Göttin, die ihre Arme weit ausbreitet und Licht und Wärme über das Erdenrund strahlt.
Als „Königin aller Länder“ verkörperte die Sonnengöttin die Einheit und Identität des hethitischen Reiches. Dies sicherte den Frieden zwischen den einzelnen Stämmen und Kulten, weil es klar war, dass alle von der selben Sonne beschienen sind und damit gemeinsam auf deren Wohlwollen angewiesen sind. Dieser verbindende Aspekt war entscheidend für den Zusammenhalt und die Stabilität des ausgedehnten hethitischen Staates. Sie galt als Mutter aller Menschen und als Quelle aller Wärme. Sie bestrahlt die verschiedenen Wesensanteile mit ihrer Güte und besänftigt, klärt und beruhigt damit. Das wirkt auch gegen den „inneren Krieg“ den viele gegen sich selbst führen.
Die griechische Athena steht als Urgöttin der Demokratie für den Frieden, sie bietet mit strategischem Geschick machtvollen Schutz nach Außen und sorgt durch Einsetzung eines Gerichtshofes auf dem Areopag, einem nordwestlich der Akropolis gelegener, 115 Meter hohen Felsen in Athen, zugleich für Frieden im Inneren.
Sie ist dort die mythische Vorsteherin bei den Volksversammlungen und bestrahlt alle mit ihrer Weisheit und ihrem Sinn für Gerechtigkeit.
Die westafrikanische Asase Yaa muss in der religiösen Vorstellungswelt der Ashanti das Blut der Getöteten und Verletzten aufnehmen, was sie sehr erzürnt. Wird sie in ihrem Zorn nicht besänftigt, so drohen nach dem traditionellen Glauben Missernten, Erdbeben oder ähnliche Naturkatastrophen. Daher trachten die Menschen sehr danach, friedlich miteinander zu leben, um die alte Erdgöttin nicht zu erzürnen.
Die germanische Freya war die in den Krieg zwischen den beiden göttlichen Geschlechtern Asen und Vanen involviert. Diese Auseinandersetzung wird übrigens als der erste Krieg überhaupt bezeichnet.
Die blutigen Kämpfe und der Beitrag Freyas zum Friedensschluss werden ausführlich in den nordischen Mythen beschrieben.
Die ägyptische Nephthys ist eigentlich die Göttin des Todes, der Dunkelheit, der Gräber und des Sonnenuntergangs. Sie ist aber auch die Göttin der Magie. Und sie ist es auch, die Frieden sucht und bringt.
Die buddhistische Kwan Yin – die weibliche Verkörperung des Mitgefühls – ist Inbegriff für inneren und äußeren Frieden. Es heißt, Kwan Yin hat Frieden und Großzügigkeit so verinnerlicht, dass sie damit auch alle erfüllt, die mit ihr in (Stoß-)Gebet oder Meditation in Kontakt treten.
Fosta ist in der nordgermanischen und friesischen Mythologie sowohl die Göttin des Feldes und Gartenbaus als auch eine Friedensgöttin. Sie ist für das Gedeihen aller Garten- und Feldfrüchte zuständig. Daraus erklärt sich auch ihr Friedensaspekt, denn eine gute und ausreichende Ernährung durch das, was uns die Erde schenkt, ist ein Garant für stabile Verhältnisse und sichert damit auch Wohlstand und Frieden.
In enger Verbindung zu Fosta steht die Erdgöttin Nerthus. Umzüge ihr zu Ehren dienten nicht nur dazu, den Feldern Fruchtbarkeit zu bringen.
Sie sollten auch den verschiedenen Stämmen Frieden oder zumindest ein wenig Ruhe in Form eines Waffenstillstands verschaffen. Denn niemand durfte streiten, keine Waffe durfte ergriffen werden, solange Nerthus unterwegs war.
Nicht zu vergessen natürlich alle Göttinnen des Herdfeuers, allen voran die griechische Hestia und die römische Vesta, die den häuslichen Frieden beschützen.
Wenn wir auch meinen, gegen die „großen Kriege“ nichts ausrichten zu können, vielleicht laden wir – gerade heute – eine der Friedensgöttinnen ganz persönlich zu uns nach Hause ein und achten in ihrem Namen auf ein friedliches Zusammensein.
Wenn das alle täten, dann wäre schon einmal ein ganz großer Schritt gemacht.
Einen friedlichen Tag wünsche ich euch allen!
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Mehr zu den erwähnten Göttinnen:
Anahita
Aphrodite
Asase Yaa
Astarte
Athena
Eirene
Eurynome
Fosta
Freya
Har
Hestia
Ischtar
Kwan Yin
Nephthys
Nerthus
Pax
Sophia
Venus
Vesta
