Heute, am 13. 11. ist der Welt-Nettigkeitstag.
Ja, richtig gelesen, den gibt’s!
Auf englisch: World Kindness Day.
Und da sehen wir, wir ungenau die deutsche Sprache wieder einmal ist. Weil „kindness“ ist viel mehr als einfach nett zu sein.
Es umfasst den ganzen Bereich von Güte, Liebenswürdigkeit, Freundlichkeit bis zu Barmherzigkeit.
Wie geht es euch eigentlich mit dem Wort „nett“?
Ich habe mich gefragt, was mich persönlich so daran stört.
Und da fiel mir der Spruch ein, der in meinem Stammbuch geschrieben stand:
„Sei brav und nett zu allen Leut, dann hast du im Leben große Freud.“
Würde man das einem Buben ins Stammbuch schreiben?
Nett und adrett, brav und artig, niedlich und hübsch, hilfreich und gut – aber alles bitte auf eine ganz harmlose Art und Weise. Immer ein Knickserl machen, freundlich lächeln, nicht zu laut, auf gar keinen Fall wild, trotzig, ein sauberes Kleid anhaben und immer freundlich grüßen …
Ein nettes Mädchen, eine nette junge Frau, eine nette Bluse, eine nette Frisur, ein nettes Hündchen, ein netter Ausflug, ein netter Film.
Und, wie hat’s dir gefallen? – Es war ganz nett. Was heißt das? Es war nichts Besonderes.
Nett ist ja ganz oft die Bezeichnung für etwas Weibliches. Natürlich gibt es auch den netten jungen Mann, aber den wünschen sich eher nur die Schwiegermütter für ihre Töchter.
Das hat alles so etwas Glattes, Unverbindliches, Unverfängliches ohne Kanten und Ecken. Am besten aufgeputzt mit einem rosa Mascherl und einem Zuckerguss.
Gruß aus Japan
Der Welt-Nettigkeitstag möchte erreichen, dass die Menschen freundlicher im Umgang miteinander sind und somit eine allgemein bessere, friedvollere Welt entsteht.
Initiiert wurde dieser Tag übrigens 1998 von der japanischen Nettigkeitsbewegung am Erföffnungstag der Konferenz des World Kindess Movement.
Und dass diese Bewegung gerade ihren Ursprung in Japan hat, ist ja auch spannend.
Diese ritualisierte japanische Freundlichkeit mit dem stets grinsenden Gesicht und den vielen Verbeugungen. Wer weiß denn da, was hinter der Maske steckt?
Ehrlich, da ist mir ein Mensch lieber, der authentisch grantig ist.
Und natürlich möchte ich auch, dass die Menschen freundlich miteinander umgehen.
Dass wir friedvoll sind, dass wir aufeinander schauen und die Bedürfnisse anderer respektieren und da und dort einfach eine liebevolle Geste setzen.
Aber das ist für mich nicht „nett“!
Aber was ist es?
Liebevolle Hinwendung
Da fällt mir einfach eine Göttin ein:
Kwan Yin, in Japan ist sie auch als Kwannon, Kanzeon oder Kanjizai bekannt.
Sie ist die Göttin der liebevollen Hinwendung, die weibliche Verkörperung des Mitgefühls und damit Inbegriff für inneren und äußeren Frieden.
All das ist für mich viel treffender als „Nettigkeit“.
Und wenn wir gerade bei den japanischen Göttinnen sind. Die sind auch nicht immer nett.
Bestes Beispiel: Ama no Uzume.
Sie hat mit einem wilden, schamlosen Tanz die Sonnengöttin Amaterasu aus ihrer dunklen Höhle hervorgelockt und damit die Fruchtbarkeit auf die Erde zurückgebracht.
Mit reiner Nettigkeit hätte sie das sicher nicht geschafft. Dazu hat es Humor und Einfallsreichtum gebraucht, auch den Mut, Tabus zu brechen, gewürzt mit einer Prise Verrücktheit und ganz viel Frohsinn.
Und dazu musste sie vor allem eines sein: Authentisch!
So, und jetzt seid einfach so, wie ihr gerade seid. Und schaut vielleicht, ob ihr heute noch jemand mit einer liebevollen Hinwendung erfreuen könnt. Wenn euch danach ist!
Mehr Informationen zu den erwähnten Göttinnen:
Amaterasu
Ama no Uzume
Kwan Yin