Wir kommen zur zweiten Göttin, die jüngst auf einer meiner Leinwände entstanden ist. Und diese hat etwas mit der letzten Göttin – Khaos – gemein. Auch sie umarmt sozusagen Mutter Erde.
Während Khaos sich als Atmosphäre um die Erde legt, schlingt sich Aido-Wedo als Regenbogenschlange dreitausendmal spiralförmig um die Erde.
Warum tut sie das?
Da gibt es in der westafrikanischen Yoruba-Tradition folgende Geschichte:
Die Göttin Mawu trieb vor der Zeit, als es weder Sonne oder Mond, Luft oder Wasser, Tag und Nacht noch Menschen, Pflanzen oder Tiere gab, in tiefem Schlaf durch die Leere trieb. (Kommt euch das ein wenig bekannt vor? Diese Geschichte erinnert ein wenig an die griechische Göttin Khaos von neulich.)
Mawu träumte von den Dingen, die einmal sein würden. Die Zeit beginnt als Mawu den Traum zu Ende träumt und erwacht.
Mawu begann mit ihrem Schöpfungsakt, indem sie die Leere nahm und zwischen ihren Handflächen zu einer Schlange rollte, welche durch ihren Atem Farbe und Leben erhielt. So wird die Leere zur Regenbogenschlange Aido-Wedo, die Mawu half, die Welt zu erschaffen. Sie erschufen zuerst unbewegtes Meer und flaches Land in die Stille der Welt. Dann zogen sie gemeinsam über die Welt, Mawu erschuf Berge, gefüllt mit Gold und Edelsteinen, die Regenbogenschlange sorgte für Gräben, in denen Flüsse und Bäche entstehen konnten.
Hält das Land hoch
Nachdem Mawu vor Freude zu viele Wälder und Tiere erschaffen hat, drohte das Land im Meer zu versinken, sodass sie die Schlange bittet, das Land hoch zu halten. Auf ihre Bitte hin windet sich die Regenbogenschlange dreitausendmal spiralförmig um die Erde, die sie bis zum heutigen Tage auf diese Weise hält. Die Spiralen umkreisen die Erde und bewegen die Planeten und Sterne über den Nachthimmel.
Aida-Wedo kann man heute noch wahrnehmen. Man sieht sie immer dann, wenn die Sonne durch den Regen schimmert und eine ihrer Spiralen als Regenbogen aufleuchtet. Bewegt sich die Schlange, erschüttert ein Beben die Erde und sollte sie jemals ihre Spiralen wieder lösen, würde die Welt auseinanderfallen.
Die Regenbogenschlange ist auch das Symbol der Integration vieler Teile der Erde (Afrika, Australien, Amerika) und repräsentiert auch die Verbindung zwischen Himmel und Erde und aller Elemente.
Wie male ich dreitausend Regenbogenspiralen?
Das war die Frage, die sich mir schon lange stellte. Deswegen habe ich so lange gezögert, Aido-Wedo auf eine Leinwand zu bringen. Und dann war es ganz leicht: Ich male ein wenig Regenbogen, der dann über den Bildrand hinausgeht, alles andere obliegt der Vorstellungskraft jener, die das Bild betrachten. Das ist ja das Schöne an Bildern – man denkt sich Ergänzungen einfach dazu.
Ich liebe Regenbögen, wer nicht? Aber nicht nur wegen ihrer Farbenpracht. Es gibt rund um den Erdball zahlreiche Regenbogengöttinnen und deren Botschaft ist es, dass wir einen stetigem Wandel unterzogen sind: Auf Regen folgt Sonne und umgekehrt.
In diesem Zwischenbereich zeigt sich der Regenbogen. Wenn ein Regenbogen nach großer Trockenheit am Himmel zu sehen ist, ist dieser Ankündigung des erfrischenden segensreichen Regens. Wenn er nach Sturm und Gewitter auftaucht, kündigt er Beruhigung und Sonnenschein an. So oder so ist das ein gutes Zeichen.
Und es können auch scheinbare Gegensätze gleichzeitig existieren: Sonne und Regen gemeinsam machen die wunderschönen Regenbögen erst möglich.
Meine Regenbogen-Gedanken
Regenbögen und deren Göttinnen stehen für Veränderungsprozesse. Sie zeigen auf, dass Dauerhaftigkeit eine Illusion ist und helfen zu erkennen, dass alles Leben einem stetigen Wandel unterliegt. Jenen, die versuchen, gegen die Kräfte der Wandlung zu kämpfen, senden sie hilfreiche und liebevolle Warnsignale.
Wenn ich Bilder von Göttinnen male, dann erscheinen diese mitunter auch in meinen nächtlichen Träumen. So war es auch bei Aido-Wedo.
Was ist der Urgrund dieser Geschichte? Im Traum wurde es mir klar:
Das Land drohte im Meer zu versinken und die Regenbogengöttin erscheint und die Menschen schöpfen Hoffnung, dass nun wieder alles gut wird, dass sie die Erde umschlingt und damit hochhält.
Ich vermute, dass es hier einst um eine Naturkatastrophe gegangen ist. Sintflutartiger Regen, Sturzfluten, ein Tsunami vielleicht. Auf jeden Fall etwas sehr Bedrohliches.
Und dann kam der Regenbogen und alles beruhigte sich. Wen wundert es da, dass die Menschen in diesem Regenbogen die Ursache für diese Beruhigung vermuteten und in ihm eine Göttin sahen.
Geballte Frauenkraft, um die Welt zu erschaffen
Sehr interessant finde ich auch, dass es sich hier um zwei Göttinnen handelt.
Die Geschichte, dass eine Schöpfungsgöttin eine Schlange als erstes Wesen formt, gibt es in diversen Mythen. Meist wird diese Schlange als männlich gedeutet, wie z.B. bei der griechischen Göttin Eurynome und der von ihr geschaffenen Schlange Ophion mit der sie sich paart, um das Weltenei zu legen, aus dem Sonne, Mond und die später belebte Erde schlüpften. Dass diese Schlange als männlich interpretiert wird, ist ja allein ihrer Gestalt wegen nicht verwunderlich.
Bei Mawu und Aido-Wedo ist das jedoch anders. Aido-Wedo ist weiblich, eine Freundin, eine Schwester, eine Tochter vielleicht. Sie ist das erste Wesen, das Mawu erschaffen hat. Gemeinsam erschaffen sie die Welt. Und diese geballte Frauenkraft finde ich so schön an diesem Mythos. Dieses Miteinander, das sich Ergänzen, einander unterstützen …
Wenn eine einen Blödsinn macht, wie Mawu in ihrer freudvollen, überbordenden Schaffenskraft, dann ist Aido-Wedo da, um es auszugleichen, wieder gut zu machen, der anderen aus der Patsche zu helfen.
Auf gute Freundinnen ist Verlass! Ich kenne das aus meinem eigenen Leben und habe das zahlreiche Male erlebt. Und mit diesem Bild ehre ich auch all meine wunderbaren Freundinnen!
Und ja: Dass die Freundin just ein Regenbogen ist, das können wir ja auch bedeutungsvoll interpretieren …
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Mehr Informationen zu den erwähnten Göttinnen:
Aida-Wedo
Eurynome
Mawu